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| Taxi nach
Texas |
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| Es war eine der üblichen, langsam
kälter werdenden klaren Nächte vor dem Ende der
Trockenperiode. Paul sass mit Larup, dem Sohn von Roguli und
Eld, im Wohnraum an einem kleinen Tisch bei einer Partie Transmitter.
Larup war fünfzehn Jahre alt und es sah so aus, als ob
er die kräftige Statur seines Vaters bekommen würde.
Den Charakter hatte er offenbar auch von ihm geerbt, er war
ruhig, gelassen, manchmal hatte Paul das Gefühl, dass
Larup erwachsener war als er selbst.
Abgesehen davon war er drauf und dran, ihn vom mühsam
erkämpften siebenten Platz der Transmitter-Rangliste
in Negs zu verdrängen.
Wieder einmal hatte Larup zu einer langen Kombination angesetzt,
die Paul nur mit Mühe und nach längerem Nachdenken
parieren konnte. Dann aber hatte er ihn in eine Falle laufen
lassen und nun blickte der Junge grübelnd auf das Spielfeld.
Paul betrachtete ihn versonnen und mit einer grossen Zuneigung,
dann kam er wieder einmal ins Sinnieren.
Er musste an seine Kinder denken, die irgendwo in einem fernen
Universum lebten und vielleicht in diesem Moment an ihn dachten.
Sein älterer Sohn war gerade in Larups Alter.
Rogulis Familie hatte Paul regelrecht adoptiert und diese
Zuneigung beruhte auf Gegenseitigkeit. Irgendwie machte ihn
der Anblick des Jungen traurig und zuversichtlich zugleich.
Seine eigenen Kinder waren verloren für ihn genau wie
er für sie.
Trotzdem würde er nicht aus dem Leben verschwinden wie
ein lauer und kühler Herbstwind, an den man sich schon
einen Moment später nicht mehr erinnerte.
Hier war jemand, der Terkan sehen und erleben würde,
der leben und lieben würde, Negs und ganz Terkan mit
anderen weiter entwickeln könnte, der auch wieder anderen
Knn und anderen Menschen begegnen würde - vielleicht
- irgendwann, wenn er, Paul, längst nicht mehr lebte.
Die Vergangenheit und die Geschichte seiner neuen Heimat war
das universelle Erbe aller, die hier lebten, auch das seine.
Die Zukunft aber würden die Jungen erleben, an deren
Entwicklung er teilhaben und sogar mitwirken konnte, so wie
er es auf der Erde gern bei seinen eigenen Kindern getan hatte.
Larup sah auf und bemerkte seine nachdenkliche Stimmung.
“Ich würde auch gerne einmal fremde Welten sehen
wie du. Das muss doch unheimlich interessant sein!”,
meinte er nach kurzem Nachdenken.
“Du schaust der fremden Welt gerade in die Augen”,
sagte Paul, den Kopf auf die Faust gestützt.
“Du denkst wieder an deine Familie.”
Larup hatte wohl den melancholischen Ausdruck in seinen Augen
entdeckt.
Paul lächelte. “Ich habe jetzt euch.” Dann
lenkte er von seiner eigenartigen Stimmung ab. “Wie
sieht’s aus, hast du einen Weg gefunden, mich doch noch
in die Pfanne zu hauen?”
Der Junge verneinte. Seine ursprünglich starke Position
hatte sich nach einigem Figurenabtausch wieder in eine ausgeglichene
Stellung verwandelt, so dass nun wohl keiner mehr gewinnen
würde. Sie einigten sich nach kurzer Analyse auf ein
Unentschieden. |
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| Auf der Bank vor dem Haus sassen
noch ein paar Leute, bei ihnen Oggrd, der sie häufig
mit ihnen zusammen war. Larup verabschiedete sich zur Nachtruhe,
etwas von einem anstrengenden Unterricht am morgigen Tag erzählend,
aber Paul setzte sich noch nach draußen.
Rodion erzählte gerade ein paar Geschichten von einem
Forschungsaufenthalt in der Toskana und begann von einer Eisdiele
in Siena zu schwärmen.
Das Leben in Negs lief seit vielen Monaten ab wie ein immer
währender Kuraufenthalt für gestresste Manager.
Die Menschen und die Knn fügten sich jeder auf seine
Weise in die Gesellschaft von Negs ein, wenn man von den Verrückten
im Wald absah.
Kühnhold und seine Leute waren fast vergessen, es gab
so gut wie keine Kontakte zu ihnen. Nur Andra machte alle
zwei oder drei Monate einen heimlichen Ausflug zum Wald, um
sich mit Kado zu treffen; gelegentlich begleitete Paul sie.
Kado tat Paul leid, schließlich musste er es mit den
religiösen Eiferern der Neuen Allumfassenden Gemeinschaft
aushalten. Andererseits war er ihre Versicherung gegen einen
plötzlichen Überfall aus dem Wald und so unzufrieden
schien er nicht zu sein, er hatte mit einer der hübschesten
Frauen dort angebandelt.
Es gab hier wie dort keine existenziellen Sorgen, alles war
ruhig und entspannt.
Paul genoss nach dem heissen Tag die kühle Luft und
sah sehnsuchtsvoll wie so oft in den sterngefüllten Himmel.
Sie hatten mittlerweile den Himmel in neue Sternbilder unterteilt,
genauer gesagt, hatten sie die Einteilung der Negser übernommen,
aber er meinte immer noch, dass man doch ein paar von den
alten irdischen erkennen müsse, und sei es auch ein wenig
verzerrt. Eigentlich verrückt, schließlich wussten
sie nicht einmal, ob sie im selben Universum waren wie die
Erde, geschweige denn in der selben Galaxis.
Unwillkürlich fing er an, mit den Fingern auf die Flasche
mit Wein zu klopfen: kurz – kurz – lang –
lang - kurz – kurz.
“Nerv nicht, Alter” raunzte ihn Rodion an. “Du
lauschst einem der grossen Erzähler der neueren Geschichte
und passt nicht auf.”
Paul schaute irritiert zu ihm herüber, dann grinste er.
“Nervöse Zuckungen, das geht vorbei. In vierzig
Jahren ist das wieder in Ordnung, sagt der Arzt.”
Rodion sah ihn prüfend an.
„Du hast wieder deine melancholischen Momente, wie?“
Paul zuckte nur mit den Schultern.
„Tröste dich,“ fuhr Rodion fort, „mir
geht es oft genauso, das weißt du. Ich bin eigentlich
ganz zufrieden hier. Ein Leben ohne Not, man fühlt sich
unter Freunden. Nur das Verhältnis zwischen Frauen und
Männern, das scheint mir ein wenig verklemmt. Aber manchmal
denke ich an meine Heimat, die Moore und Wälder von Saaremaa.
Irgendwie ist das immer das selbe Gefühl von Gedanken
an die Jugend, an eine warme Sommernacht frisch verliebt in
den Armen einer Frau, redend, liebend, alles andere vergessend
bis der Morgen graut und die Sonne über den Nebeln des
Sees aufsteigt.“ Er hielt kurz inne und seufzte, dann
fuhr er fort. „Das sind auch Erinnerungen, die ebenso
weit weg sind wie die Erde. Vom einen sind wir durch einen
Abgrund von Raum getrennt, vom anderen durch einen ebenso
unüberwindlichen Abgrund von Zeit. Man versucht sich
zu arrangieren mit der Situation, man sieht die Vorteile,
aber die Sehnsucht tut oft genug weh. Und man ist sie erst
los, wenn man den letzten Atemzug getan hat.“
Paul legte seine Hand auf Rodions Arm, sie hingen offenbar
beide gelegentlich den selben melancholischen Stimmungen nach.
Dann runzelte er die Stirn. Wieso hatte er eben dieses falsche
SOS auf die Flasche getrommelt? Ein unbewusster Hilferuf?
Er sah wieder nach oben und betrachtete den Himmel.
Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, dann
packte er noch einmal den Arm von Rodion.
“Was ist, Lust auf ein Kämpfchen?”, meinte
der mit einem spöttischen Blick. “Ich brauche Opfer,
keine Gegner.”
Paul zeigt nach oben, fast senkrecht über sich.
“Spinn ich oder siehst du das auch?”
“Oh, das ist aber interessant, ein veränderlicher
...”, 'Stern' wollte Rodion beginnen, dann sass auch
er mit offenem Mund da.
“Nein, das kann nicht sein”, brachte er nur heraus.
Paul schüttelte den Kopf, dann sah er sich in der kleinen
Runde um.
“Für wen war das Taxi?”
Bescheiden, aber unübersehbar blinkte es im Sternbild
des Säufers: kurz – kurz – lang – lang
- kurz – kurz – Pause von zehn Sekunden - kurz
– kurz – lang – lang - kurz – kurz.
William standen fast die Tränen in den Augen.
“Die holen uns. Die holen uns!” |
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Die Kontaktaufnahme funktionierte
schnell und problemlos. Eilig hatten sie in der Nähe
von Negs einen riesigen Holzstoß errichtet und in der
folgenden Nacht angezündet.
Schon zwei Stunden danach änderte sich das Signal des
„veränderlichen Sterns“ in eine komplexere
Lichtzeichenfolge. Oggrd übersetzte, dass ein Landungsschiff
in spätestens drei Tagen auf Terkan landen würde.
Für Menschen und Knn war es eine hektische Zeit des Organisierens
und Planens, die Terkaner sahen alles ganz gelassen, man merkte
ihnen höchstens ein wenig Spannung an, ob die Landung
wohl diesmal klappen würde.
Es war ein imposantes Bild, als die Fähre auf Terkan
landete. Zunächst sah man hoch über dem Horizont
einen Feuerschein wie von einem Meteoriten. Dann begann ein
ständig ansteigendes Geräusch, das wie eine Mischung
zwischen einem tiefen Brummen und einem wilden Kreischen klang.
Schließlich erkannte man zwischen dem Glühen der
Bremsantriebe einen dunklen Punkt, der langsam größer
wurde. Die beeindruckend große Fähre landete sanft
und viel leiser als man es nach der imposanten Vorbereitung
erwartet hätte etwa einem Kilometer von Negs entfernt.
Jetzt waren auch die Terkaner beeindruckt. Zwar hatten viele
von ihnen das Wrack im Wald besichtigt – Paul hatte
einige Male den Touristenführer gegeben – aber
eine präzise Landung wirkte nun mal mehr als ein halbüberwuchertes
Wrack.
Es stellte sich heraus, dass die Rettungsmannschaft wenig
überrascht war, neben den Knn auch Menschen und Terkaner
zu treffen. Zwar war den Knn eine direkte Kommunikation mit
dem Heimatplaneten nicht möglich, aber der Bordcomputer
der SUNJESTER hatte kurz vor der Explosion eine unbemannte
Nachrichtensonde Richtung Knn geschickt. Sie hatte den Sprungpunkt
korrekt getroffen und war mit allen Informationen über
den Verlauf der Reise und das unglückliche Ende an ihrem
Bestimmungsort angekommen. Die Rettungsaktion konnte gründlich
vorbereitet werden; Zeit genug war vorhanden gewesen, da die
beiden anderen Raumschiffe der Knn erst nach mehr als einem
Jahr von ihren Missionen zurückgekehrt waren. Und jetzt
kreiste die HNTN, das erste Schiff der Knn, um Terkan und
wartete darauf, die Gestrandeten wieder in die Heimat zu bringen.
„Ich hatte sowas gehofft, tief in meinem Inneren, aber
ich habe nicht daran geglaubt“, sagte Oggrd. „Und
ich wollte niemandem Hoffnungen machen, die sich nicht erfüllen
würden.“ Nach kurzer Pause ergänzet er: „Und
ihr hättet vielleicht nur gedacht, dass ich den Ruf der
Knn wahren wollte.“
Paul lächelte ein wenig. „Oggrd, mein Freund, ich
verstehe, dass ihr euer Gesicht wahren wollt, so seid ihr
nun mal. Aber ich sage das nur für mich: wir haben die
größte Achtung vor euch. Ich bin sicher, dass wir
Menschen das nicht zu einem so guten Ende hätten führen
können. Niemals, niemals, niemals.“ Er gebrauchte
wieder die knnsche besondere Bekräftigung.
Oggrd drückte seine Hand – freundschaftlich, dankbar,
geehrt, nun, Paul würde die Knn wohl nie so richtig verstehen.
Er schaute zu diesem ruhigen Fremden herüber, den er
als seinen Freund ansah und wunderte sich wieder darüber,
wie ähnlich sich die Lebewesen waren, die hier auf Terkan
zusammen getroffen waren. |
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Hrrattl, der Kommandant der HNTN kam
auf sie zu und Oggrd machte sie bekannt.
„Ich bin glücklich, alle hier von diesem Planeten
wieder in die Heimat bringen zu können.“
Dann wandte er sich an Oggrd und sprach auf Knn weiter mit
ihm. Paul konnt dem Gespräch gut genug folgen, um den
Sinn zu verstehen.
Bei der Annäherung an Terkan hatte die HNTN Signale im
Bereich von etwa einem Megahertz aufgefangen, die eindeutig
von der Planetenoberfläche kamen. Kurz bevor die Signale
aufhörten konnten sie noch ein winziges Flugobjekt orten,
das wenig später im Sprungpunkt von Terkan verschwand.
„Wir haben den Kurs leider nicht genau genug bestimmen
können um dem Ding mal nachzufliegen. Das Ding muss winzig
klein gewesen sein, zehn Meter höchstens. Wir haben es
einfach nicht genau verfolgen können.“
Paul mischte sich ein.
„Ich glaube ich weiß woher die Signale kommen.“
Sein Knn war sicher ausbaufähig, aber Hrrattl war trotzdem
erstaunt über seine Sprachkenntnis. Die weitere Kommunikation
lief dann aber doch über Oggrd auf Englisch.
„Wir müssen mal mit ein paar ausgewählten
Leuten zu dieser Metallplatte im Wald. Ein wenig technische
Ausrüstung zur Analyse des Metalls und zur Überprüfung
der Strahlung wäre auch nicht schlecht.“
Man entfernte sich unauffällig, was in dem Trubel auch
ohne weiteres gelang. Mit einem geländegängigen
Fahrzeug aus der Fähre kamen sie bis an den Rand des
Waldes, dann ging es zu Fuß weiter.
Paul musste sich für seinen guten Orientierungssinn loben,
denn er führte die zehnköpfige Gruppe fast ohne
Umwege zu seiner Lichtung.
Auch auf der Lichtung fand er schnell die Stellen wieder,
die er vor einem Jahr untersucht hatte. Mit vereinten Kräften
stelten sie schnell fest, dass die Platte nur am Rand einen
halben Meter dick war, der Rest maß etwa 10 Zentimeter.
Immer noch waren aber die Ausmaße beeindruckend: eine
Metallplatte aus einem Stück mit der Größe
von vier Fußballfeldern. Die chemische Analyse ergab,
dass es sich um eine Legierung aus Eisen, Chrom, Molybden,
Niob und einigen Metallen aus der Gruppe der seltenen Erden
handelte.
Herg staunte über die riesigen Ausmaße der Platte.
„Wir waren das nicht, das brauche ich wohl nicht zu
sagen. Wozu dient das überhaupt?“
„Wir wissen es auch nicht, wir waren es nämlich
auch nicht“, erwiderte Paul.
„Und von uns ist das auch nicht. Wir waren vor unserem
Kurzbesuch vor vier Jahren auch noch nie hier“, sagte
Oggrd.
Hrrdrx, der Chemiker der Knn, bewunderte das Material.
„Das ist derartig glatt und widerstandsfähig, so
ein Material gibt es auf Knn nicht, einfach unglaublich. Und
keiner will es gewesen sein!“
Sie gingen zur Mitte der Platte und gruben an der Stelle,
an der Paul die Lämpchen gefunden hatte. Sie blinkten
immer noch unverdrossen vor sich hin.
Oggrd schaute nachdenklich auf die Zeichen.
„Auf irgendwelchen alten Bauwerken habe ich mal ähnliche
Zeichen gesehen, glaube ich.“
Herg schüttelte den Kopf, ebenso Paul.
„Nie gesehen.“
„Wir sollten über die Tonnen reden“, schlug
Andra vor.
Oggrd berichtete den beiden neu angekommenen Knn von den Beobachtungen
im Zusammenhang mit dem Tod Rastach Sunsis.
Hrrdrx schüttelte den Kopf, stimmte aber den Hypothesen
über die fremde Lebensform zu.
„Alles würde passen. Unsere fehlenden archäologischen
Befunde, dasselbe gilt hier für Terkan. Und die fast
vollständige genetische Übereinstimmung. Aber wozu?
Und wo sind sie? Es muss auch hier in Negs, zumindest aber
auf Terkan auch solche Lebewesen geben und dies ist die Kommunikationseinheit
mit ihrer Heimat. Sie schicken ein kleines unbemanntes Raumschiff
in regelmäßigen Abständen hierher, setzen
Informationen hier an dieser Stelle ab, dann nehmen sie Informationen
auf, die durch die hier lebenden Tonnen hier irgendwie eingegeben
werden.“
„Das funktioniert ja auch, ihr habt uns schließlich
auch so gefunden“, meinte Andra. Dann, nach kurzem Grübeln,
fuhr sie fort. „So könnten wir eigentlich auch
eine Kommunikationsbasis schaffen für unsere drei Welten.“
„Aber wer schickt die Nachrichten von hier?“ fragte
Kado.
„Das heißt doch“, sagte Herg, „dass
wir auch solche Lebewesen bei uns haben müssen.“
Oggrd beruhigte ihn.
„Nicht unbedingt in Negs, vielleicht auch in Nök
oder einer anderen Stadt, die nicht zu weit entfernt ist.
Und wer weiß, welche Fortbewegungsmöglichkeiten
die haben. Außerdem: bei den Menschen gibt es Tonnen,
das ist sicher, und bei uns wird es auch welche geben, das
ist ebenso sicher.“
Von der Mitte der Lichtung ertönte ein kurzer Fluch auf
Knn, dann riss sich Hrrattl das Headset seines Funkscanners
vom Kopf. Aus dem Zigarettenschachtel großen Gerät
stieg ein wenig weißgrauer Rauch.
„Das zum Suchen nach Funksignalen.“ meinte er
ärgerlich, nachdem er vergebens gegen den Scanner geklopft
hatte.
Paul sah ihn nachdenklich an.
„Das ist bei derselben Frequenz passiert, die ihr auch
draußen aufgefangen habt.“ meinte er trocken.
Hrrattl dachte kurz nach, dann nickte er.
„Da haben wir wohl irgendeine Automatik in Gang gesetzt.“ |
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Da die Menschen die einzigen waren, die
das feuchte Waldklima längere Zeit problemlos ertrugen,
verließen sie den Wald und setzten sich in den Schatten
einer kleinen Felsgruppe am Rand.
Es gab viel zu besprechen. Strengstes Stillschweigen über
die Existenz der Tonnen wurde vereinbart, alle waren sich einig,
dass auf den drei Welten eine kollektive Paranoia ausbrechen
würde, wenn das bekannt wurde.
Die Grundlagen für eine Zusammenarbeit zwischen den Welten
wurde formuliert, dazu gehörte vor allem eine Sicherung
der Kommunikation zwischen den Völkern mit unbemannten
Raumsonden. Hier würde die Erde mit ihren großen
Resourcen an Menschen und Wirtschaftskraft die Hauptlast tragen
müssen, und auf Terkan musste eine Technologie installiert
werden, die hier auch gewartet werden konnte.
Die wenigen Tage bis zum Abflug von Terkan vergingen schnell,
es war genug zu tun. Die Waldmenschen, wie Paul und einige
andere sie nannten, kamen nach Negs und wurden vor der Stadt
in Notunterkünften untergebracht. Paul übte sich
in der hohen Kunst, durch Leute hiondurchzusehen.
Einmal versuchte Mona, ihn anzusprechen.
„Sprechen Sie mit mir?“ fragte er und sah sie
so kühl an, dass sie sich fast schon erschrocken abwandte.
Wenn sich jemand seine Abneigung einmal verdient hatte, war
er unversöhnlich. Er wusste, dass er so war, richtiger
Stolz über diese Eigenschaft wollte aber nicht in ihm
aufkommen.
Dann war es so weit, die Vorbereitungen für die Rückreise
waren abgeschlossen. Der Abschied von Terkan fiel Paul viel
schwerer als er gedacht hatte. Als er sich von Roguli zum
Abschied umarmte, konnte er die Tränen nicht zurückhalten.
Jetzt würde er zu seiner Familie auf der Erde zurückkehren
und verlor seine Familie auf Terkan. Wie es kam war es verkehrt.
Wie hatte George Bernard Shaw so schön gesagt: Es gibt
im Leben des Menschen zwei Tragödien. Die eine ist die
Nichterfüllung eines Herzenswunsches. Die andere ist
seine Erfüllung.
Die Knn nahmen den Abschied gelassen – Gesicht bewahren,
klar – ebenso viele Terkaner. Diejenigen, die gute Beziehungen
oder sogar Freundschaften zu den Menschen geknüpft hatten
mussten sich jetzt darauf einstellen, diese Freunde für
immer zu verlieren, es war wie ein kleiner Tod.
Nur einige Mitglieder des technischen Personals der Knn blieben
auf Terkan zurück, um die Grundlagen der zukünftigen
Kommunikation zwischen den Welten zu legen. |
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| Der Rückweg zur Erde war fast
schon Routine für die Menschen. Die körperlichen
Reaktionen bei der Reise durch die Sprungpunkte unterschieden
sich beim zweiten mal nicht von denen beim ersten mal, aber
die Gefühle waren doch andere.
Vertrieb ihnen vor gut drei Jahren Spannung und auch ein wenig
Angst die Wartezeit, war es diesmal eine tiefe Freude, den
schon verloren geglaubten Heimatplaneten wiederzusehen.
Natürlich hatten sich die Knn es nicht nehmen lassen,
die Menschen zuerst „nach Hause“ zu befördern
– schließlich waren sie an der misslichen Situation
schuld, jedenfalls nach ihrem Ehrenkodex. Alle Argumente für
einen Besuch von Knn hatten nicht gefruchtet. Allzu hart drangen
die meisten Menschen ohnehin nicht auf diesen Umweg, dazu
war die Sehnsucht nach der Erde zu groß.
Kaum eine halbe Stunde nachdem sie aus dem Sprungpunkt aufgetaucht
waren, taumelten die ersten Menschen zu den optischen Erfassungssystem
der HNTN. Mit Tränen in den Augen kamen einige zurück.
„Wir haben es geschafft! Wir sind wieder da!“
Auch Paul gönnte sich einen Blick auf den blauen Planeten.
Wie ein Edelstein hob sich die Erde vom tiefschwarzen Hintergrund
ab. Oft schon hatte er diesen Vergleich gelesen, viele Bilder
der Erde aus dieser Perspektive hatte er schon gesehen, aber
es war doch ein unglaubliches Gefühl von Heimat, das
er jetzt hatte.
Vor dem alten Haus standen seine Frau und die Kinder, die
Taglilien blühten, die Sonne schien aus einem mit kleinen
weißen Wölkchen gesprenkelten Himmel, Bienen und
Hummeln brummten umher.
Paul öffnete die Augen wieder, der Geruch nach feuchter
Erde verflüchtigte sich. Nun, er musste noch einige Tage
warten, bis diese Vorstellung Wirklichkeit würde. |
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Die Ankunft der HNTN im Sonnensystem
war ein Medienereignis. Vermutlich gab es keinen Menschen,
der die Ankunft der Landefähre auf dem Stützpunkt
Bluesky Airbase im Nordwesten von Texas verpasste. Die Einschaltquoten
aller Fernsehanstalten waren sensationell, vor allem wohl
deshalb, weil einige Knn mit auf die Erde gekommen waren.
Eigentlich spielte sich alles ab wie nach der Rettung einer
Gruppe von Forschern aus einem plötzlich überfluteten
Höhlensystem, nachdem schon niemand mehr damit gerechnet
hatte, sie lebend wiederzusehen.
Der Empfang in der großen Empfangshalle war ergreifend.
Überall lagen sich Menschen in den Armen, hier hörte
man fröhliches Rufen, da ein glückseliges Schluchzen.
Auch Paul schämte sich seiner Tränen nicht, als
er seiner Familie in den Armen lag.
Seine Frau fand er kaum verändert. Als er sie in den
Arm nahm hatte er das Gefühl einer warmen Vertrautheit,
so als hätte er sich erst gestern von ihr verabschiedet.
Aber seine Kinder! Drei Jahre waren eine lange Zeit.
Seine Tochter Imogen war jetzt eine junge Frau, allerdings
war ihr Lachen immer noch so wie er es auf Terkan oft vor
Augen gehabt hatte. Seine Söhne Björn und Morten
waren mittlerweile fast so groß wie er. Sie wirkten
ernster als Imogen, aber ihre Umarmung ließen ihn spüren,
dass sie ihn ebenso vermisst hatten wie er sie. Fasziniert
begrüßten sie Oggrd und Brrzz, die Paul ihnen vorstellte.
Paul fand sich in einem Zustand fast trunkener Freude.
Auch eine große Zahl von Verwandten und Freunden hatten
sich die Rückkehr nicht entgehen lassen. Hier waren seine
Geschwister, dort die Kollegen aus dem Institut, die William
und ihn mit einem kleinen Transparent empfingen; irgendwas
von den Eroberern des Weltalls stand drauf.
Die vielen Übertragungsgeräte der Fernsehanstalten
machten das Durcheinander noch größer, aber das
war schließlich die größte Sensation seit
der feierlichen Einweihung der großen Pyramide in Gizeh.
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rgendwann hatte jeder jeden begrüßt,
geküsst und umarmt, und die ersten Gruppen bewegten sich
auf den Ausgang der Halle zu.
Der Zugang war gesichert worden, irgendwelche Verrückten
hatten mit einem Attentat gedroht, weil sie angeblich den
Tod aus dem All bringen würden. Die Folge war, dass alle
durch eine Schleuse mussten, in der sie mit mehreren Sensoren
abgetastet wurden.
Kurz vor Paul entstand etwas Unruhe, die Überwachungscrew
schaute etwas fassungslos auf den Monitor. Paul fing einige
Wortfetzen auf.
„Komisches Skelett – hier ist gar keins –
aber keine Waffen oder so – hier habe ich den aber ganz
normal!“
Paul sank langsam aus seiner Glückseligkeit zurück
in die Realität und seine Alarmglocken klingelten. Er
zog seinen Mobilen aus der Tasche und funkte Kado und Andra
an, die erstaunlich schnell an der Sicherheitsschleuse erschienen.
Sie ließen sich die Bilder zeigen, dann fragte Kado
hastig: „Wo ist die Person? Zu wem gehören diese
Aufnahmen?“
Schnell war das Bild gefunden.
„Glen Sjöström!“ rief Andra und bewegte
sich schnell durch die Menschenmassen, Kado und Paul folgten
ihr auf den Fersen. Kado alarmierte im Laufen die Sicherheitscrew.
Sie kamen auf den großen Vorplatz, auf dem die Fahrzeuge
warteten, die sie zum Empfang bei sämtlichen verfügbaren
Präsidenten und Staatsoberhäuptern bringen sollte.
Die ersten Gruppen standen um die Busse herum und warteten
darauf, von den Stewards ihrem Fahrzeug zugewiesen zu werden.
Der Ausgang aus der Halle war sofort gesperrt worden, so dass
sich nur etwa 200 Personen auf dem Platz befanden. So sehr
aber die Sicherheitskräfte auch suchten, Glen Sjöström
blieb verschwunden.
Andra bot eine Wette an.
„Tausend Euro gegen einen. Das war wieder so eine Walze!
Die sind hier auf der Erde, es muss einfach so sein!“
„Wir können hier aber jetzt die Pferde nicht scheu
machen, schließlich weiß kaum jemand was überhaupt
los ist“, meinte Kado verärgert.
„Das machen wir später, der gesamte Geheimdienst
ihrer Majestät der amerikanischen Präsidentin wird
uns zur Verfügung stehen“, beruhigte Andra.
Paul war nicht überzeugt.
„Der weiß, das wir ihn entdeckt haben und wird
sich irgendwo eine neue Tarnung zulegen! Und die Nachforschungen
müssen geheim bleiben.“
Der Chef der Sicherheitscrew kam auf sie zu.
„Wir haben die Person nicht gefunden, sie ist nicht
da! Uns entgeht da nichts. Auch die Überwachungskameras
haben keine Anhaltspunkt ergeben.“
Kado zuckte mit den Schultern.
„Da haben wir uns wohl geirrt und Gespenster gesehen.
Vergessen sie es einfach, unser Fehler. Wir sind wohl etwas
übervorsichtig.“
Der Mann deutete einen militärischen Gruß an und
lächelte verständnisvoll.
„Kann ich verstehen. Sie haben einiges erlebt in den
letzten Tagen.“
Dann entfernte er sich.
Nicht zufällig trafen sich noch einmal die fünf
Menschen, die von den Tonnen wussten mit Oggrd und Brrzz.
Sie standen einfach nur im Kreis, sahen sich ernst und wortlos
an und allen war klar, dass niemand ohne die Erlaubnis der
anderen jemals etwas von diesem Geheimnis erzählen würde.
Ein Höhepunkt des Tages war die offizielle Unterzeichnung
eines Freundschaftsvertrages zwischen Hrrattl und Cristabel
Sanjez, der Generalsekretärin der UNO. Die Einzelheiten
waren schon während der Annäherung an die Erde geklärt
worden, hier ging es nur noch darum, die Medienvertreter zu
befriedigen.
Den Knn war der riesige Andrang an Kameras und Medienvertretern
offenbar nicht recht geheuer, aber sie machten gute Miene
zum guten Spiel. Sogar ein Lächeln rangen sie sich ab.
Weniger spektakulär als man es hätte erwarten können
hob die Fähre der Knn dann wenige Stunden nach der Ankunft
wieder ab.
Schnell gewann sie an Höhe, eine Zeit lang war sie noch
auf den Bildschirmen zu sehen, dann waren die Knn verschwunden,
so als wären sie nie da gewesen.
Paul sah zu seiner Familie herüber und hatte schon beinahe
das Gefühl, als käme er nicht aus dem Weltall zurück
sondern von einem längeren Abenteuerurlaub.
Für die Expeditionsteilnehmer würde jetzt die Zeit
der offiziellen Empfänge und Jubelfeiern in den Hauptstädten
und den Heimatorten folgen.
Für die Wissenschaftler sollte dann eine Zeit der intensiven
Aufarbeitung der gewonnenen Daten und Erkenntnisse beginnen.
Langsam verließen die ersten Gruppen den Flughafen und
gegen Abend saßen nur noch einige Reporter im Restaurant
bei einem Kaffee und verfassten ihre Berichte. Der vielleicht
bedeutenste Tag in der Geschichte der Menschheit endete kaum
anders als der Tag des Pokalendspiels, aber die Welt würde
nie wieder so sein wie zuvor. Die Einzigartigkeit der Menschheit
war endgültig Geschichte. |
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| Wollen wir zum Schluss noch von einem
völlig unbedeutenden Ereignis berichten?
Der Wachhabende auf dem Militärflughafen von Bluesky
Airbase schaute in der Nacht nach dem großen Ankunftstrubel
gelangweilt über die Bildschirme der Überwachungskameras.
Der Vorplatz lag wieder ruhig in der warmen Sommernacht.
Dann schien sich an der Skulptur „Vier Formen“
von Art Moore etwas zu verändern. Ein Teil bröselte,
nein, glitt herunter auf den Boden. Der Mann im Kontrollraum
nahm die Bewegung zunächst nur aus dem Augenwinkel wahr,
dann war ihm, als krieche im trüben Licht ein walzenförmiger
Schatten auf die Büsche in der Nähe zu.
Er zoomte die Stelle heran und schaute noch einmal genauer
hin. Dann schüttelte er den Kopf.
Alles sah aus wie immer. |
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