| “Halt, wer bist du”,
fragte der Knn kurz und scharf.
Paul murmelte ein paar Worte auf Negs, aber dann packte
ihn eine Hand von hinten und zog ihn herum.
“Gib dir keine Mühe, Paul.”
Er schaute in Oggrds Gesicht.
“Was wollt ihr von mir?”
“Wir sollten fragen, was willst du hier? Spionierst
du hier rum? Egal, komm mit. Und versuche nicht zu fliehen,
es würde mir nicht gefallen, jemanden zu erschiessen,
den ich respektiere.”
Eine Waffe wurde hart in seinen Rücken gestossen.
“Los, voran.”
Sie nahmen ihn in die Mitte, dann marschierten sie vielleicht
einen halben Kilometer weit. Paul fragte sich, was sie vorhatten
und bekam ein ausgesprochen mulmiges Gefühl.
Schliesslich waren sie bei dem Häuserblock der Knn
angelangt und er wurde in eine Haustür gedrängt.
Er wurde sofort nach unten gebracht und in einen Kellerraum
geschoben. Der Raum war von einigen Petroleumleuchten relativ
gut beleuchtet, aber es roch reichlich muffig. An einer Wand
sah er ein paar in der Wand festgemachte Haken – es
fehlte nur das Skelett. Die Möblierung war spartanisch,
fünf Stühle, ein kleiner Tisch, das war alles.
Die Knn wechselten einige Sätze, so schnell, dass er
nichts verstehen konnte, dann wurde er von einigen kräftigen
Armen gepackt und auf einem der Stühle festgebunden.
Oggrd verliess mit den meisten Leuten den Raum.
“Wir sind gleich wieder da”, verabschiedete er
sich, es klang bedrohlich.
Zwei Wachen blieben zurück und liessen sich in gegenüber
liegenden Ecken auf Stühlen nieder.
Paul fragte sich, was die wohl von ihm wissen wollten. Sagen
konnte er ihnen nicht viel, dazu war er zulange aus dem Dorf
weg, seit seiner Flucht von dort war fast ein halbes Jahr
vergangen. Natürlich konnte er die Knn recht ausführlich
in die Geheimnisse des Umgangs mit den grossen Rindern einführen,
aber ob das so interessant für sie war?
“Was wollt ihr von mir wissen?”, fragte er die
Wachen, aber die winkten nur gelangweilt ab.
Die Rolle der Knn in dem ganzen Spiel war Paul bis heute
nicht klargeworden. Nach aussen waren sie die Beschützer
der Negser vor den Menschen und das hatte ja dieses Jahr lang
auch funktioniert.
Aber welche Ambitionen hatten die Knn? Wollten Sie den menschlichen
Teil der Expedition auslöschen? Bisher hatten sie noch
keine Anstalten dazu gemacht, aber die Menschen im Wald hielten
sie für eine ständige Bedrohung.
Die Knn hatten einfache, aber funktionsfähige Schusswaffen
auf der Basis von Schwarzpulver gebastelt, aber wer weiss,
was Kühnhold und die seinen im Wald entwickelten.
Vor den Negsern brauchten die Knn sich nicht zu fürchten.
Die hatten sich mit der Besatzung abgefunden, da sie lediglich
darin bestand, dass sie die Knn mitversorgen mussten. Die
Knn hatten ihre landwirtschaftlichen Geräte etwas verbessert
und ihnen ein paar Tricks zum Bewässern ihrer Felder
gezeigt, das hatte einen Mehrertrag zur Folge, der die zusätzlichen
hungrigen Mäuler leicht stopfen konnte. Da die Knn die
Negser ansonsten zufrieden liessen, sahen diese etwas amüsiert
über die gelegentlich etwas aufdringlichen und gönnerhaften
Beschützermanieren der Knn hinweg.
Die Fesseln begannen zu schmerzen, seine Hände waren
eingeschlafen. Er wusste aber nicht, ob er sich auf die Rückkehr
der übrigen Knn freuen sollte. Ein tapferer Held war
er sicher nicht und er hoffte, dass es die Knn bei einer einfachen
Befragung beliessen. Andererseits, wieso hatten sie ihn dann
in diesen Keller geschafft? Er fühlte, wie sich sein
Magen langsam verkrampfte. Berichte von Folteropfern auf der
Erde kamen ihm in den Sinn und er bekam Angst. Körperliche
Gewalt war ihm zuwider, nur wenn er ernsthaft angegriffen
wurde, reagierte er ohne jedes Nachdenken.
Er überlegte, wieso er sich in solchen Situationen
so rücksichtslos wehrte. Als Erklärung fiel ihm
eigentlich nur seine Angst ein, selbst schwer verletzt zu
werden. Er hatte Angst, so kühl er vielleicht bei solchen
Auseinandersetzungen wirkte.
Dabei fürchtete er eigentlich nicht den Schmerz –
man ging ja schließlich auch freiwillig zum Zahnarzt
- sondern die Ungewissheit, ob er einen bleibenden gesundheitlichen
Schaden zurückbehalten würde und den Rest des Lebens
als hilflose Person verbringen müsste. Auf dieser Ungewissheit
und Ausweglosigkeit und nicht auf dem reinen Schmerz basierte
ganz sicher auch die Wirkung von Folter. Die psychischen Spätschäden
waren wohl genauso zu erklären, und jetzt sah er womöglich
einem solchen Alptraum entgegen. |