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| Gestrandet |
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| Die unmittelbar nach dem Stoss aufheulenden
Sirenen taten ein Übriges, die beschauliche Atmosphäre
der letzten Wochen zu beenden. Nach kurzer Zeit machte Brzz
eine Durchsage auf Knn, von der Paul nur einzelne Worte verstand.
Dann tauchte Kado auf dem Bildschirm auf.
“Wir sind von einem Meteoriten getroffen worden, vermutlich.
So wie es aussieht, war die Arbeit der letzten Wochen vergebens,
weil die SHOOTING SHARK getroffen wurde und für die Landeaktion
nicht zur Verfügung stehen wird. Es besteht offenbar
aber keine unmittelbare Gefahr für die SUN JESTER, packen
Sie aber vorsichtshalber mal das Notfallpäckchen und
haben Sie es ständig bei sich. Achten Sie auf weitere
Durchsagen.”
Paul und Mona hatten sich schnell angezogen und nahmen kurz
und heftig Abschied voneinander. Das sogenannte Notfallpäckchen
lag bei den meisten fertig in irgendeiner Schrankecke;
nur diejenigen, die es schon einmal auseinandergenommen
hatten, bekamen jetzt Arbeit.
Der Bildschirm flimmerte ein wenig, dann sah Paul die SHOOTING
SHARK. Er stiess ein bitteres Lachen aus. Vermutlich stand
sie nicht für die Landeoperation nicht zur Verfügung,
hatte Kado gesagt; er schien in den letzten Minuten einen
ausgesprochen subtilen Humor entwickelt zu haben. Sie hätten
die Landung auf Terkan wohl ebensogut in einer Badewanne versuchen
können.
In der linken Tragfläche klaffte ein Loch von mindestens
zehn Metern Durchmesser, das ganze Schiff machte einen etwas
deformierten Eindruck. Aus dem Treibstofftank neben dem Landungsboot
entwich Treibstoff, dessen gefrorene Kristalle in der Sonne
von Terkan flirrten. Die BLUE ÖYSTER, die direkt daneben
lag, schien unversehrt zu sein.
“Die ganze Scheissarbeit umsonst,” fluchte Paul
und dachte an die vielen Stunden, die er mit dem Beladen der
SHOOTING SHARK verbracht hatte. |
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| Er machte sich keine Sorgen um seine
Sicherheit, die Durchsagen hatten zu gelassen gewirkt. Im
Schrank wühlte er nach seiner Notfalleinheit und fand
sie auch sofort unter einem Haufen schmutziger Wäsche.
Er sah kurz in das Paket, es schien alles am Ort zu sein:
Nahrungskonzentrat, Wasseraufbereitung, Werkzeug, Medikamente.
Das Ganze wog so etwa zehn oder zwölf Kilo und ließ
sich wie ein Rucksack auf den Rücken schnallen.
Auf dem Bild sah er, wie die BLUE ÖYSTER sich langsam
von ihrem Liegeplatz löste und auf die Spitze des Raumschiffs
zuschwebte. Etwa fünfzig Meter von der Spitze entfernt
machte sie neben einem der grossen Transportbehälter
fest und wurde offensichtlich in grosser Eile beladen. Die
Mannschaft aus Knn arbeitete schnell und zielstrebig, wie
üblich. Schon oft hatte er die Präzision in der
Zusammenarbeit der Knn bewundert, eine militärische Struktur
wie bei ihnen hatte sicher ihre Vorteile.
Das Bild wechselte; Kado tauchte auf, an seiner Seite ein
nervös wirkender Kühnhold.
“Wir müssen sicherheitshalber eine kleine Notfallübung
machen. Das genaue Ausmass der Schäden ist noch nicht
bekannt, wir setzen uns jetzt alle mal in den Evakuierungskasten,
der gerade in der BLUE ÖYSTER fertiggemacht wird.”
Grinsend setzte er hinzu: “Wenn uns die Bude hier abbrennen
sollte, wollen wir wenigstens die ersten beim Feuermelder
sein.”
Ein starker Scherz, dachte Paul. Und wie überzeugend
Sergej Kunold die Ruhe bewahrte. Kado wirkte gelassen, aber
das wollte nichts bedeuten; er würde auch vor einem Erschiessungskommando
noch einen ruhigen Eindruck machen. Kunolds Zustand war dagegen
schon besorgniserregend, er wirkte wie die personifizierte
Panik. Paul schloss die Augen und versuchte sich das Bild
der Zerstörungen bei der SHOOTING SHARK in Erinnerung
zu rufen. Die Tragfläche war hin, klar, aber das war
noch kein Grund zur Aufregung. Auch der entweichende Treibstoff
war keine Gefahr, schliesslich war kein Sauerstoff vorhanden,
der eine Explosion auslösen konnte. Dann fiel ihm ein,
dass die zentrale Röhre der SUN JESTER nicht weit
von der Einschlagstelle entfernt war, und nun begann auch
er sich Sorgen zu machen. Wer wusste schon, wie sich der Pulsfrequenzgenerator
bei Beschädigung verhielt! |
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Wieder meldete sich Kado.
“Wir treffen uns jetzt alle bei der Schleuse 2, dort
wird die BLUE ÖYSTER wenigen Minuten festmachen. Beeilen
Sie sich, da der grosse Ring sich jetzt langsamer drehen wird
und dadurch die Schwerkraft auf Null sinken wird. In fünf
Minuten sind alle bei Schleuse 2, wir werden dann den Umstieg
üben und uns alle in die Sitze der Evakuierungskammer
setzen. Ich hoffe, wir werden in spätestens einer halben
Stunde wieder in der Kantine sitzen und uns einen entspannenden
Drink gönnen. Jetzt aber schnell und diszipliniert an
die Arbeit.”
Alles strömte jetzt zur Schleuse. Schon konnte man die
langsame Abnahme der Schwerkraft feststellen, was zu leichten
Koordinationschwierigkeiten bei einigen der menschlichen Passagiere
führte.
Im Vorraum zur Schleuse griff ihm Kado an den Arm und zog
ihn zur Seite. Als sie ein wenig abseits standen, fragte er
ihn mit einem leichten Schmunzeln:
“Na, hast du auch alles mit?”
Paul lächelte zurück und zeigte auf seinen Notfallrucksack.
“Ich könnte dich als Ordner gebrauchen, falls
das hier aus dem Ruder läuft,” fuhr Kado fort.
“Du hast dir doch schon gedacht, dass wir unseren nächsten
Drink nicht mehr in der Kantine der SUN JESTER einnehmen.”
Paul lächelte weiter, wenn auch leicht gezwungen.
“Du hast ja eine dezente Art, mir von der bevorstehenden
Explosion des Schiffs zu berichten. Dass ich jetzt die Panik
auslöse, befürchtest du wohl nicht.”
Kado winkte ab.
“Komm, mein Junge, ich kenne dich doch. Ich kann mir
denken, dass du Muffe hast, die habe ich auch. Aber deine
grösste Angst auf dem Sterbebett wäre doch nicht,
was nach dem Tod kommt, sondern dass dir kein dummer Spruch
mehr zum Abschied einfällt. Solche Leute neigen nicht
dazu, Panik zu verbreiten.”
Ihren Befürchtungen zum Trotz verlief der Einstieg ins
Landungsboot ziemlich reibungslos, wenn man davon absah, dass
einige Leute doch Schwierigkeiten mit der Schwerelosigkeit
bekamen.
Die Knn hatten schnelle und präzise Arbeit geleistet.
In den drei Stockwerken der Rettungseinheit waren die Sitzreihen
aufgebaut worden; zwölf Sitze in jeder Reihe in Viererblocks,
vierzehn Reihen hintereinander, sodass für jeden der
fünfhundert Expeditionsteilnehmer ein Platz zur Verfügung
stand. Nach zehn Minuten sassen alle auf einem Platz, die
Luken wurden geschlossen. |
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Die ersten Beschwerden kamen auf.
“Lasst doch die Luken auf, wir gehen doch sowieso gleich
wieder raus.”
Offenbar machte der beengte Raum den ersten zu schaffen;
die zehn mal dreissig Meter grossen Räume waren zwar
hell erleuchtet, aber nur wenig höher als ein normales
Zimmer und mit jeweils etwa 170 Leuten gefüllt - also
nichts für Leute mit Neigung zur Klaustrophobie.
Paul sass direkt neben einer der Luken und sah sich um. Beim
Einsteigen hatte er Mona kurz gesehen, konnte sie aber hier
nirgends entdecken; nun, vielleicht war sie in einer der beiden
anderen Etagen.
Die Rufe nach Abbruch der Übung wurden lauter, als ein
leichtes Ruckeln durch das Landungsschiff ging. Die Unruhe
wurde grösser, als endlich Kunolds erregte Stimme aus
der Lautsprecheranlage erklang.
“Liebe Freunde, wir verlassen jetzt die SUN JESTER
und werden auf Terkan landen.”
Eine Mischung aus Wut und Erschrecken lag im Raum. Nun begriffen
die meisten, dass es sich nicht um eine Übung handelte,
sondern um den Ernstfall.
Kunold redete weiter.
“Die SUN JESTER ist so schwer beschädigt, dass
sie womöglich innerhalb der nächsten Stunde explodieren
wird. Wir waren gezwungen, die Aktion als Übung zu tarnen,
damit keine Panik ausbrach. Möge die KRAFT mit uns allen
sein und uns eine glückliche Landung ermöglichen.”
Paul hoffte eher auf die Fähigkeiten des knnschen Piloten
der Landefähre. Sie hatten nicht sehr viel mit den Knn
zusammengearbeitet, sondern die Vorbereitung der Landeaktion
weitgehend getrennt nach Menschen und Knn durchgeführt.
Die wenigen Kontakte reichten aber aus, um Paul davon zu überzeugen,
dass auch der schlechteste ihrer Piloten die BLUE ÖYSTER
noch im volltrunkenen Zustand sicher auf Terkan landen würde.
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| Paul begann, sich in dem bequemen Sessel
langsam zu entspannen. Die letzte halbe Stunde war so schnell
und hektisch vergangen, dass er kaum einen klaren Gedanken
fassen konnte. Er sah sich nun noch einmal im Raum um. Die meisten
lagen konsterniert in ihren Sitzen, einige begannen wie er selbst,
nach bekannten Gesichtern Ausschau zu halten. Drei Sitze links
von ihm sass Hermfried und schaute mit einer Mischung aus Besorgnis
und Belustigung zu ihm herüber. Paul war jetzt beruhigt;
falls die Kiste hier wirklich abschmieren sollte, der Doktor
war sofort zur Stelle. Er lächelte Hermfried beruhigend
zu. Irgendwo vorn sassen William und Jane, sie sahen ihn aber
nicht.
Seine Gedanken schweiften zu seiner Familie. Vor seinem inneren
Auge entstand das Bild seiner Frau und seiner Kinder; ein
kleiner blonder Kerl lachte ihn an.
Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er sie vielleicht
- nein sicher! - nie wiedersehen würde. Wer sollte von
dem Unglück berichten? Und wer sollte ihn von Terkan
retten? Dieser Abschied von der SUN JESTER war endgültig,
sie waren gestrandet.
Sein Herz zog sich zusammen, er spürte ein leichtes
Würgen im Hals. Trotz seiner Affäre mit Mona war
seine Familie immer das Wichtigste in seinem Leben gewesen.
Mit seiner Frau verband ihn schliesslich mehr als nur eine
körperliche Anziehung oder die Möglichkeit, munter
und geistreich miteinander zu plaudern wie bei Mona. Er wusste,
dass er sich auf seine Frau verlassen konnte, er hatte ein
tiefes Vertrauen zu ihr. Sie hatten gemeinsam die Kinder aufgezogen
und waren stolz und glücklich über sie. Was war
eine Affäre gegen ein Leben?
Er legte sich die Hände vor die Augen, dann sah er deprimiert
an die Decke. Was würde aus seiner Familie werden, aus
seinen Kindern? Nie würde er etwas davon erfahren. Sein
bisheriges Leben wurde gerade ausgelöscht.
Er schüttelte den Kopf und fühlte, wie die Tränen
ihm hochkamen. |
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| Die BLUE ÖYSTER hatte inzwischen
ganz offensichtlich die äusseren Schichten der Terkanatmosphäre
erreicht, denn ein leichtes Rütteln ging durch das Landungsschiff.
Paul hatte so etwas zwar noch nie erlebt, wusste aber aus
der Literatur, dass sich Raumschiffe beim Eintauchen
in eine Lufthülle so verhielten.
Aus dem Lautsprecher kam die Durchsage, dass sie sich
nun 60 Kilometer über der Terkanoberfläche befänden.
Paul bedauerte, dass es keine Fenster gab, durch die
man den Ausblick auf den Planeten geniessen konnte.
Das Rumpeln im Schiff wurde stärker und die Nervosität
der Leute um ihn war mit Händen zu greifen. Gehetzt schauten
sich einige um, von links vorn ertönte ein verzweifelter
Ruf: “Wir werden alle sterben.” Sicher, sicher,
wer würde das bezweifeln, dachte Paul, aber hoffentlich
nicht in den nächsten fünf Minuten.
Die Durchsage für zwanzig Kilometer Höhe war gerade
verklungen, als ein scharfer Knall von der linken Seite ins
Innere des Schiffs drang und schnell von einem widerlich klingenden
schrillen Pfeifen abgelöst wurde.
Ein Stöhnen ging durch die Passagiere der BLUE ÖYSTER.
Es verstärkte sich, als kurz hintereinander zwei weitere
explosionsartige Geräusche ertönten und sich das
Schiff deutlich auf die Seite legte.
Aus dem Lautsprecher ertönte eine kurze und nervöse
Durchsage auf Knn. Dann, ebenso kurz, Andras Stimme:
“Der Hitzeschild löst sich, wir versuchen, das
Schiff zu drehen, abzubremsen und dann die Rettungseinheit,
in der wir sitzen, abzusprengen. Viel Glück.”
Na Klasse. Wenn schon etwas schiefging, dann aber auch wirklich
gründlich. Paul versuchte sich vorzustellen, wie das
Schiff gedreht werden sollte, dann merkte er, dass es
nicht mit der Rückseite, sondern mit der Unterseite senkrecht
gegen die antosende Atmosphäre gestellt wurde. Das Schiff
ächtzte unter der Belastung und musste eigentlich jeden
Moment auseinanderfliegen. Paul sah nach links, aber Hermfried
sass zusammengesunken in seinem Sitz; irgendwie war Nähe
des Arztes nicht mehr so tröstlich wie noch vor wenigen
Minuten.
Vorn flog kurz die Tür zur Pilotenkanzel auf, zwei Gestalten
warfen sich auf zwei der wenigen leeren Sitze. Wenige Sekunden
später schien das Schiff zu explodieren, eine ungeheure
Beschleunigung war zu spüren, der Raum geriet ins Taumeln
und Rotieren wie auf einer riesigen Achterbahn; in der Nähe
waren eindeutige Würgegeräusche zu hören.
Dann wieder ein Schlag und sie wurden abgebremst. Das Taumeln
wurde schwächer, schliesslich kam der Raum in einer etwas
schrägen, aber stabilen Lage zur Ruhe. Nach einer kurzen
Zeit der Ruhe, in der nur das Brausen der vorbeirasenden
Luft zu hören war, spürte man wieder einen Schlag,
heftiger als der erste, dann hingen sie wieder waagerecht
im Raum und die Bewegung ging in ein langsames Hin- und Herschwingen
über. Offenbar hatte die Aktion funktioniert und sie
hingen an grossen Fallschirmen. Wenn ihre Glücksträhne
anhielt, standen die Fallschirme bereits in Flammen oder würden
in Kürze reissen.
Vorn verbreitete wieder jemand den Allgemeinplatz, dass
alle sterben würden.
“Halts Maul, Du Arsch!” lautete der ehrliche,
aber wenig einfühlsame Kommentar.
Der Zustand des langsamen Schwingens hielt, wie es schien,
eine Ewigkeit an. Paul sass wie betäubt in seinem Sitz,
unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, sogar sein
Galgenhumor war ihm abhanden gekommen.
Dann knallte es erneut, als wollte es den Rettungsraum zerreissen.
Es knirschte, als würde sich ein gewaltiger Bohrer in
einen Knochen fressen. Einige der Säulen im Raum waren
ein wenig geknickt, auch die Wände schienen Risse bekommen
zu haben.
Aber sie standen, sie standen auf festem Grund.
Sie waren gelandet. |
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Paul schlug sich mit den Händen
auf die Wangen, um sich wieder richtig zu Bewusstsein zu bringen.
Ein erfreulicher Begleiteffekt dieses Tuns war, dass er jetzt
sicher war, nicht zu träumen, sondern wirklich noch zu
leben.
Da er ganz nah neben einer Tür sass, erhob er sich vorsichtig,
seine Knochen langsam sortierend, aus seinem Sitz und bewegte
sich auf die Tür zu. Er öffnete die Verriegelung
und drückte behutsam gegen die Tür, die mit einem
leisen Knarren nachgab.
Die Tür schwang langsam auf, ein kühler Windstoss
zog in den Raum. Er sah in eine weite, gelbe Ebene ohne jede
Vegetation, über der die Sonne von Terkan tief im wolkenlosen
Himmel stand. Neben der Tür war eine Leiter angebracht,
die er zu Boden liess. Hinter ihm wurde es munter, und er
beeilte sich, auf den Boden zu kommen, der etwa drei Meter
unter ihm lag. Links von ihm hing einer der Fallschirme herunter,
unter ihm wurde ebenfalls eine Tür aufgestossen und Leute
wühlten sich durch die Stoffmassen ins Freie. Es brach
kein Jubel aus, keine Freudenrufe, nichts. Irgendwie schien
noch keiner so recht zu glauben, dass man die Landung
zumindest fürs erste überlebt hatte.
Ihre Umgebung wirkte so trostlos, wie eine Umgebung nur wirken
konnte. Nichts störte das Ebenmass der Wüste. Paul
ging um die Rettungseinheit herum und fand überall dasselbe
Bild. Strand bis zum Horizont und kein Meer in Sicht. Nur
in Richtung der tiefstehenden Sonne schien es eine dunklere
Stelle zu geben, ohne optische Hilfsmittel konnte er aber
nichts erkennen.
Mittlerweile war richtig Leben in die Wüste gekommen.
Mehr und mehr Menschen und Knn kamen aus dem, was von der
BLUE ÖYSTER übriggeblieben war. Überall begannen
sich jetzt die Überlebenden zur glücklichen Landung
zu gratulieren, der erste Schock schien überwunden.
Er sah, wie Kado sich mit Oggrd unterhielt, dann ging er
auf Andra zu und sie sammelten einige der menschlichen Expeditionsteilnehmer
um sich; auch Paul war unter den Auserwählten.
Kados gute Laune war zurückgekehrt, sein stilles Grinsen
ermutigte Paul.
“Leute,” begann Kado. “Die erste Nachricht
ist, dass die SUN JESTER kurz vor den Problemen mit der
BLUE ÖYSTER explodiert ist. Wir hängen hier wohl
ein paar Tage fest.”
Gott oder wer auch immer hat ihm seinen Humor erhalten.
“Die meisten Geräte, die wir in der BLUE ÖYSTER
hatten, sind vermutlich verloren. Eigentlich haben wir nicht
viel mehr als das, was wir auf dem Leibe tragen. Die gute
Nachricht ist, dass wir keine Verluste an Leben zu beklagen
haben, weder auf Seiten der Knn noch auf unserer. Sogar die
beiden Piloten der BLUE ÖYSTER haben sich retten können.
Wir haben eigentlich genug Nahrung für die nächsten
ein bis zwei Wochen, aber mit der Wasserversorgung wird es
Probleme geben. Dummerweise wissen wir nicht mal, wo auf Terkan
wir genau gelandet sind, ich habe hier bisher nur Wüste
gesehen.”
Paul machte ihn auf den dunklen Fleck aufmerksam, über
dem eine schwache Rauchsäule stand. Kado übergab
das Wort an Sergej Kunold, stand auf und ging mit Paul um
die Rettungseinheit herum. Im Gehen hörten sie Kunold
von der KRAFT reden, die alles zu einem guten Ende geführt
hatte.
“Wenn wir nicht sehr schnell Wasser finden, kann der
seine KRAFT saufen,” meinte Kado etwas verärgert.
Er schaute in die Richtung des dunklen Flecks, dann meinte
er: “Vielleicht haben wir Glück und wir sind hier
in der Nähe des einzigen grösseren Waldstücks
im Umkreis von fünfhundert Kilometern gelandet. Komm,
wir gehen zu den Knn, die kennen sich hier besser aus.”
Die Knn wirkten irgendwie verlegen, als sie zu ihnen traten.
Auch sie standen in einem Kreis von etwa zwanzig Leuten zusammen.
“Wir müssen uns vor euch schämen. Wir haben
unsere Ehre verloren und euch ins Unglück gestürzt,”
begann Oggrd und senkte beschämt den Blick zu Boden.
Dieses alberne, frühpubertäre männliche Ehrgefühl
der Knn, auch der weiblichen Mannschaftsteile, war Paul schon
häufiger aufgefallen.
“Wieso, hat einer von euch den Meteoriten geschmissen?”
fragte er Oggrd. Dann fielen ihm die Schwächen der Knn
in Bezug auf feine Ironie wieder ein und er ergänzte:
“Eure Schuld war es doch wohl nicht. Im Gegenteil, ihr
habt uns gut runtergebracht; immerhin haben alle überlebt,
wie es aussieht.”
Die Knn wirkten kaum getröstet, waren aber wie elektrisiert
von dem dunklen Flecken am Horizont. Sie turnten zusammen
mit Paul und Kado die Leitern hoch auf das Dach des Rettungskastens.
Dort sahen sie aufgeregt in die angegebene Richtung und einer
von ihnen zauberte ein Fernglas aus seinem Notfallrucksack.
Paul wühlte jetzt auch mal in seinem Rucksack, fand aber
keinen Feldstecher.
Unzweifelhaft, das war Vegetation, aber genaueres konnte
er auch nicht sehen. Kado erhielt das Fernglas von Brzz. Er
sah aufgeregt hindurch, murmelte immerzu “ja, ja,”
dann wandte er sich an Paul.
“Mann, vielleicht haben wir Glück und befinden
uns in der Nähe der Stelle, an der wir landen wollten.
Da gibt es in einer riesigen flachen Senke einen Wald, der
ist bestimmt fünfhundert Quadratkilometer gross, vielleicht
grösser. In der Nähe ist eine Stadt mit einigen
zehntausend Einwohnern, es gibt einen Fluss, der den
Leuten Landwirtschaft ermöglicht. Ich habe mit den Knn
zusammen diesen Platz als möglichen Landeplatz untersucht,
die waren bei ihrem ersten Besuch auch hier.” Dann fügte
er noch hoffnungsvoll hinzu: “Wenns das wirklich ist.”
Brzz wandte sich an die beiden und meinte mit geballter Faust:
“Das muss es sein! Vielleicht können wir doch
überleben.”
Paul schaute erstaunt. Für knnsche Verhältnisse
war diese geballte Faust so etwas wie eine Mischung zwischen
lautem Schreien, sich auf dem Boden wälzen und dem Abküssen
aller Umstehenden. Diese Leute begannen ja, unkontrollierte
Emotionen zu zeigen. |
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Sie stiegen wieder vom Dach. Paul
und Kado gingen wieder zu ihrer kleinen Versammlung, um sie
von der hoffnungsvollen Entdeckung zu berichten.
Sie unterbrachen Kunold, der immer noch seinen Vortrag über
die Kraft und die Schwingungen im Universum hielt. Er war
leicht verärgert, hörte dann aber zu, wie Kado von
ihrer Entdeckung berichtete.
“Wir haben für eine ganze Zeit genug zu essen,”
schloss er. “Wir müssen aber unbedingt eine Wasserquelle
finden, und zwar innerhalb der nächsten 2 Tage. In diesem
Klima brauchen wir sicher fünf Liter Wasser am Tag und
mehr als acht Liter pro Person haben wir nicht. Dieser Wald
ist etwa fünfunddreissig Kilometer entfernt, das sollten
wir in spätestens zwei Tagen geschafft haben. Wir haben
Glück, dass es langsam Nacht wird, wir werden den sofortigen
Aufbruch planen. In zwei Stunden geht es los.”
Sie sprachen sich mit den Knn ab, dann herrschte in und um
den Rettungskasten emsiges Gewusel. Alles, was sich noch an
Brauchbarem fand, wurde abmontiert und in einen transportfähigen
Zustand gebracht. Schliesslich hatte jeder etwa fünfzehn
Kilogramm zu tragen, kräftigere Gestalten wie Kado, Andra
und Paul bekamen einen Zuschlag von fünf Kilogramm oder
mehr.
Dann wurde zum Aufbruch gerufen.
“Wir befinden uns in grosser Gefahr,” sagte Kado.
“Wir haben zwar die vollständige Zerstörung
unserer Transportmittel überlebt, aber wir haben nicht
viel behalten. Wir wissen nicht, wie wir jemals wieder zurückkommen
sollen zur Erde; ich glaube, wir werden uns auf einen dauerhaften
Aufenthalt hier einrichten müssen. Und wenn wir kein
Wasser finden, kann ich als einzigen Trost verkünden,
dass genug Gift für alle da ist.”
Nachdem Kado auf diese Art die Menschen in eine hoffnungsvolle
Stimmung versetzt hatte, gab Kunold noch letzte Anweisungen.
“Wir werden uns in einer langen Schlange bewegen und
die ganze Nacht marschieren. Einige Leute aus der Organisationsabteilung
werden die Vorhut bilden, einige die Nachhut. Wir haben immerhin
noch ein halbes Dutzend Funkgeräte und können so
den Kontakt zwischen den vorn und hinten Marschierenden halten.
Auf gehts. Möge uns die KRAFT leiten.”
Die Knn waren mittlerweile schon aufgebrochen und marschierten
in einer langen Reihe in die einbrechende Nacht hinein. Am
Himmel waren die ersten Sterne zu erkennen, hinter ihnen stieg
ein kleiner, blassgelber Mond langsam über den Horizont.
Es war kühler geworden, die Luft war klar und von einer
eigenartigen Würze. Der schwache Wind kam von vorn, aus
der Richtung, in der sich der Wald befand.
Jetzt, nachdem die letzten Knn an ihnen vorbeigegangen waren,
brach auch die Gruppe der Menschen auf. Die Spitze der Schlange
bildete Jonas Zwoell, der mit Andra zusammen die Logistikgruppe
leitete. Es dauerte mehr als zehn Minuten, bis die letzten
an ihnen vorbeikamen. William winkte Paul zu, Jane schaute,
wie immer in den letzten Tagen, etwas sauer zu ihm herüber.
Sie schien ihm auch in der katastrophalen Lage, in der sie
sich befanden, seine Beziehung zu Mona nicht zu verzeihen.
Er zuckte mit den Schultern, dann reihte er sich in die Nachhut
ein, in der sich auch Kado und Mona befanden. Mona hatte ihm
das Vergnügen bereitet, unmittelbar vor ihm herzugehen;
die Rückseite einer Frau, besonders einer, die man mochte,
wirkte wesentlich motivierender als die eines noch so gutaussehenden
Mannes. Nun, Frauen mochten da anderer Ansicht sein. |
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| Es ging voran, aber nicht sehr schnell.
Sie sanken bei jedem Schritt ein wenig in den Wüstensand
ein, was das Gehen schwer machte. Spätestens nach einer
Viertelstunde hatten sie sich an die gleichmässige Bewegung
gewöhnt und marschierten still durch die Nacht.
Paul sah hoch zum Himmel. Es war unwirklich, gespenstisch.
Vor drei Stunden noch hatte er mit Mona in seinem Zimmer gelegen,
alles war in Ordnung gewesen. Und jetzt? Er würde wahrscheinlich
noch Tage brauchen, bis er begreifen würde, dass die
Erde, seine Familie, sein ganzes Leben jetzt jenseits des
Universums lagen. Es ging wohl fast allen Leuten so, bisher
waren alle von hektischer Aktivität erfüllt gewesen
und hatten kaum Zeit gehabt, sich um ihre Situation grundlegende
Gedanken zu machen. Richtig klar im Kopf war noch keiner.
Paul rief sich die Gesichter der vorbegehenden Menschen in
Erinnerung, müde Gesichter zumeist. Man hatte das Gefühl,
dass sich nur Potjemkinsche Menschen, Fassaden durch die Wüste
bewegten, so als wären die Seelen noch auf der SUN JESTER.
Wahrscheinlich sah er selbst nicht besser aus.
Es ging leicht bergauf. Auf dem Gipfel des kleinen Hügels
angekommen, konnte man im schwachen Licht der sternklaren
Nacht die schier endlose Menschenkette sehen, die sich durch
die Wüste bewegte wie ein grosser Treck von Häftlingen
in einem amerikanischen Spielfilm. Noch gingen alle in Reih
und Glied; keiner hatte bisher schlappgemacht, obwohl wirklich
nicht alle Expeditionsteilnehmer vorher ein Fitnessprogramm
absolviert hatten. Die Angst, zurückgelassen zu werden,
trieb offenbar jeden einzelnen durch die Wüste.
Vier Stunden und zehn oder zwölf Kilometer später
war eine erste Pause fällig. Die Reihen setzten sich
einfach in den Sand, legten sich hin, aßen etwas, tranken
und versuchten, sich ein wenig zu entspannen. Es wurde kaum
gesprochen, alle waren erschöpft oder hatten etwas zu
tun.
Andra und einige Leute aus ihrer Logistikgruppe bauten ein
Gerät zur Wassergewinnung auf. Die Temperatur war
auf unter zehn Grad Celsius gefallen und man merkte, dass
die Kleidung begann, feucht zu werden. Es war genug Wasser
in der Luft, um die Kondensatoren anzuwerfen. Deren Kapazität
reichte allerdings nicht für die Versorgung der fünfhundert
Menschen aus, maximal einhundert würden damit auf Dauer
überleben können. Vielleicht hielten sie mit diesen
Geräten statt zwei Tagen sogar eine Woche aus, aber eine
Wasserquelle musste gefunden werden, sonst wäre es aus
und Kado könnte die angekündigten Tabletten verteilen.
Nach einer Pause von einer halben Stunde begann allen die
Kälte in die Kleider zu kriechen. Es kam wieder Bewegung
in die Wüste, sie standen auf und begannen mit dem nächsten
Teil des Marsches.
Wieder kämpften sie sich durch den Sand und kamen nur
langsam voran. Nach drei Stunden war man erst weitere acht
Kilometer weit gekommen, doch plötzlich stockte der Marsch
an der Spitze. Über Funk wurde durchgegeben, dass
man an ein kleines Tal gekommen war, in dem einige Pflanzen
wuchsen. Es war einige hundert Meter lang, vielleicht hundert
Meter breit, zehn Meter tief und würde den Menschen und
den Knn Platz für ein kleines Lager über Tag bieten.
Man beratschlagte kurz und beschloss, in diesem Tal zu bleiben,
zu schlafen und in der nächsten Nacht weiterzumarschieren.
Als das Morgengrauen begann, waren die Lager hergerichtet,
grosse Planen als Sonnenschutz gespannt und die meisten lagen
eingemummt in ihren Schlafsäcken aus aufgeschäumten
Kunststoff. Viele schliefen schon, erschöpft von der
ungewohnten Anstrengung.
Paul lag noch unter dem freien Himmel. Er sah, wie die Farbe
des Himmels langsam vom dunklen Schwarzblau der Nacht in ein
fahles Gelb überging. Weit oben schwebten einige Federwolken,
die von den ersten Sonnenstrahlen in ein orangegelbes Licht
getaucht wurden, während auch die hellsten Sterne verschwanden.
Es war ziemlich kalt geworden, Tau lag auf den Blättern
eines Baumes in der Nähe.
Die Vegetation in dieser Senke unterschied sich auf den ersten
Blick kaum von der irdischen in ähnlichen Klimaten; allerdings
konnte er nur von einem groben Augenschein urteilen, da er
kein Biologe war. Neben ihm lag Mona und schlief, sie würde
er da mal genauer fragen müssen.
Er schaute mit einer verzweifelten Zuneigung auf sie. Mit
ihr würde er ein neues Leben beginnen müssen, ob
er nun wollte oder nicht.
Ein lachendes Gesicht tauchte wieder vor seinem inneren Auge
auf, es war sein jüngster Sohn. Er legte sich hin, wühlte
sich tief in seinen Schlafsack und schloss die Augen.
Er wurde wach, weil jemand zärtlich an seinem Ohr knabberte.
Das erste, was er sah, war Monas Lächeln. Durch die spärlich
belaubten Äste über ihm flatterten emsig ein paar
kleine Vögel auf der Suche nach Nahrung. Die Luft war
heiss, aber es duftete nach ätherischen Ölen, so
als hätte vor kurzer Zeit jemand eine Tüte mit Hustenbonbons
geöffnet. Im Tageslicht konnte er sehen, dass sie am
Rand des Tals lagen, in dem sich die gesamte Expedition niedergelassen
hatte. Ganz in der Nähe ging es zwanzig oder dreissig
Meter ziemlich steil nach oben. Er wunderte sich, dass sie
gestern offenbar alle mit gesunden Gliedern hier hinuntergekommen
waren. |
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Er zog Mona an sich und drückte
sie an sich.
“Wir hängen hier fest, Mädel, aber ich habe
dich.”
“Und ich dich,” entgegnete sie.
Irgendwie fühlte sich Paul getröstet. Er sprang
auf, um sich über die Aktivitäten um ihn herum zu
informieren.
Viele schliefen noch. Es war später Nachmittag, wie
man am Sonnenstand erkennen konnte, aber die ungewohnte Nachtwanderung
mit Gepäck hatte die meisten doch ziemlich geschafft.
Schon vor zwei Stunden war eine kleine Expedition aus Knn
und Menschen in Richtung des Waldes aufgebrochen. Er kletterte
mit Mona den Abhang hoch, um einen Blick auf den Wald zu werfen.
Nach dem ersten Eindruck von Terkan gestern nach ihrem Absturz
überwältigte ihn der Anblick des Waldes, den er
jetzt deutlich durch ein Fernglas erkennen konnte. Es konnten
höchstens noch fünfzehn Kilometer sein, und die
würden sie in der heutigen Nacht sicher schaffen. Der
Wald war wirklich gross, und er lag mitten in der Wüste.
Paul war etwas verwundert, dass die Bäume sehr niedrig
erschienen.
“Das ist so ähnlich wie hier, Paul; der Wald liegt
in einer Senke wie dieser, nur ist sie tiefer und viel grösser.
Die Knn sind sicher, dass sie hier waren, als sie zum ersten
mal auf Terkan gelandet sind und sich den Wundstarrkrampf
geholt haben. Sie sagen, dass dieses Tal fast dreissig Kilometer
lang und zwanzig Kilometer breit ist. Vermutlich gibt es hier
irgendwo tief unter der Erde Grundwasser. Es gibt auch bei
uns Bäume, die holen sich das Wasser aus mehr als achtzig
Meter Tiefe. Das Tal drüben ist tiefer und geht womöglich
bis zum Grundwasser.”
“Das wären ja akzeptable Lebensbedingungen für
uns; vielleicht jedenfalls.” Paul dachte nach. “Wieso
sind nicht direkt alle weitermarschiert, warum dieses Vorauskommando?”
“Man weiss nicht, ob der Wald wirklich unbewohnt ist
und wir wollen nicht direkt feindselig empfangen werden, womöglich
mit einer Salve aus altertümlichen Gewehren. Die Stadt
ist schliesslich nicht weit vom Wald entfernt.”
“Wie, Stadt? Welche Stadt?” fragte Paul verwirrt.
Mona zeigte lässig nach rechts. Weit entfernt in der
flimmernden Hitze der Wüste war auf einem flachen Hügel
etwas zu sehen. Paul nahm hastig das Fernglas an die Augen.
Ohne Zweifel, das war eine Siedlung. Sie sah auf den ersten
Blick aus wie eine Burg; die Aussenseite schien glatt zu sein
wie eine hohe Mauer.
“Deshalb sind die Knn auch so sicher, wo wir sind,”
sagte Mona. “Die waren zwar damals nicht in der Stadt
und hatten auch keinen Kontakt, aber haben das alles natürlich
genau beobachtet. Es sieht so aus, als wäre zumindest
unser Überleben fürs erste gesichert.”
“Deshalb dein Frohsinn heute morgen, was?”
Mona zuckte mit den Schultern und machte dabei ein ausgesprochen
fröhliches Gesicht.
“Kado hatte uns ja nicht besonders Mut gemacht mit
seiner Tablettennummer. Es sieht so aus, als könnte er
die jetzt anders entsorgen.”
Vier Stunden später meldeten sich die Leute von der
Vorhut per Funk. Sie waren in den Wald eingedrungen und hatten
niemanden gesehen, gehört oder gerochen. Sie gaben die
Anweisung durch, dass der Rest der Mannschaft kurz nach Einbruch
der Dunkelheit folgen sollte und den Rastplatz so verlassen
sollte, als wäre nie jemand dagewesen.
Ein paar Stunden später waren wieder alle unterwegs
durch die Nacht. Wie in alten Indianerbüchern üblich
waren alle Spuren ihrer Anwesenheit gelöscht worden.
Die Fussstapfen in der Wüste würde der Wind mit
der Zeit verwischen. Falls die Bewohner der Stadt in dieses
Tal kommen würden, sollten sie auf keine Spuren stossen.
Es schien, als sei ihre “Glückssträhne”
gerissen. Der Meteoriteneinschlag auf der SUN JESTER und ihre
nachfolgende Zerstörung, der Absturz der BLUE ÖYSTER,
der fast vollständige Verlust alles Expeditionsmaterials,
das war wirklich ein unwahrscheinlich dummes Zusammentreffen
von Pech. Musste Murphys Gesetz, dass alles, was schiefgehen
kann, auch schiefgeht, sich ausgerechnet auf dieser Expedition
so gründlich als richtig erweisen?
Andererseits hatten sie natürlich Glück gehabt,
dass sie überhaupt überlebt hatten. Die Knn hatten
eine sehr hohe Meinung vom Wert des Inividuums, so dass auch
die Sicherheitsmassnahmen ganz ausserordentlich gründlich
waren. Sie hatten sich eben nicht darauf beschränkt,
zwei grosse Landeschiffe auf der SUN JESTER mitzuführen,
sondern hatten in diese noch eine Rettungseinheit integriert,
und diese Vorsicht hatte ihnen allen zumindest vorläufig
das Leben gerettet.
Der Marsch durch die Nacht lief ab wie in der Nacht zuvor:
langsam, aber problemlos. Die Nähe des Waldes schien
ihre Schritte zu beschleunigen; Paul spürte, wie er sich
danach sehnte, wieder einmal richtige Erde unter den Füssen
zu spüren und die Blätter eines richtigen Waldes
über sich rauschen zu hören.
Es war noch dunkel, als sie an ihrem Ziel ankamen. Der Mond
von Terkan war, wie schon gesagt, etwas mickriger als der
Erdenmond, aber er spendete genug Licht, um vom ihnen vom
Rand des grossen Tals einen guten Ausblick über den Wald
zu ermöglichen.
Paul wurde es warm ums Herz. Nach vielen Wochen im Weltraum
und dem Absturz in die Wüste hatte er zum erstenmal das
Gefühl, sich hier heimisch fühlen zu können.
Am Rand war der Wald noch etwas schütter, aber dann wurde
er dicht, er schien fast undurchdringlich, und er zog sich
hin, soweit das Auge reichte. Irgendwo hier im Wald mussten
sie einfach eine Ecke finden, in der sie sich auf Dauer einrichten
konnten. |
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